VeRliebt in Colorado

Wings of the West Buch 5

Übersetzt von Anja Ritter

Molly Rose Simms reist nach Colorado, um ihren Bruder zu besuchen. Stattdessen trifft sie dort einen Mann, der sich der Schakal nennt, und begibt sich mit ihm auf die Suche nach dem sagenumwobenen Bluebird-Claim.

„Die Wings of the West-Reihe zeigt uns eine neue Sicht auf die Frauen im Wilden Westen und die Männer, die sie lieben. Ich bin richtig süchtig nach Kristy McCaffreys sexy Western-Romanen und abenteuerlustigen Heldinnen!“ – Anne Charles, USA Today-Besteller-Autorin der preisgekrönten Deadwood Mystery-Reihe

Hungrig nach neuen Abenteuern verlässt Molly Rose Arizona, um ihren Bruder in Colorado zu besuchen. Dieser weilt seit zwei Jahren in der boomenden Silberstadt Creede, wo er sein Glück zu finden hofft. Nun möchte Molly Rose ihn dazu überreden, sie nach San Francisco, New York City oder sogar Europa zu begleiten. Doch statt Robert findet Molly Rose nur seinen Partner, einen mysteriösen Mann, der als Schakal bekannt ist.

Jake McKenna bereiste die belebten Straßen Istanbuls, die exotischen Häfen Chinas und die Wüsten Marokkos. Seine rastlose Entdeckerlust war bisher die einzige Konstante in seinem Leben. Als das Schicksal ihm auf der Suche nach dem sagenumwobenen Bluebird-Claim einen neuen Partner zuspielt, muss er entscheiden, wie weit er zu gehen bereit ist, um die bezaubernde junge Frau zu beschützen, die sich eindeutig zu viel vorgenommen hat. Sich an eine Frau zu binden gehörte bisher nie zu den Prioritäten des Schakals, aber Molly Rose Simms ist im Begriff, seine Welt auf jede erdenkliche Weise auf den Kopf zu stellen.

Ein sinnlicher historischer Westernliebesroman, der im Jahr 1892 in Colorado spielt.

Erhältlich als E-Book und Print-Ausgabe.

Reading order of the Wings of the West Series:
Verliebt in Texas (Buch 1)
Verliebt in New Mexico (Buch 2)
Verliebt am Grand Canyon (Buch 3)
Verliebt in Arizona (Buch 4)
Verliebt in Colorado (Buch 5)
Ein glänzender Penny (Eine ‚Wings of the West‘-Kurzgeschichte) – available to newsletter subscribers
Das Lied des Zaunkönigs (Eine Wings of the West-Novelle) – available to newsletter subscribers

Currently available in English only:
The Songbird (Book 6) – Novella
Echo of the Plains (Book 7) – Short Story
The Starling (Book 8)
The Canary (Book 9)
The Nighthawk (Book 10) – Coming Soon

Impressum

Rezensionen

„… rasant erzählt mit tiefgründigen Charakteren und einer Geschichte, die mich von der ersten bis zur letzten Seite in ihrem Bann hielt …“ ~ Jo, Romance Junkies

 

„… vollgepackt mit Abenteuer und atemberaubender Action … ein fantastisches Buch … ich konnte es nicht mehr aus der Hand legen!“ ~ Maia, The Silver Dagger Scriptorium

 

„So spannend, dass ich wie gefesselt war … ein unterhaltsames Leseerlebnis!“ ~ Belinda Wilson, InD’tale Magazine, a Crowned Heart review

 

 

kapitel eins

Creede, Colorado
April 1892

 

Jake McKenna stellte einen Fuß auf die Holzbank vor dem Gemischtwarenladen, als die entschlossene Gestalt von Miss Molly Rose Simms die unbefestigte Straße überquerte und Berthas Saloon betrat. Obwohl er sie bisher noch nicht kennengelernt hatte, beobachtete Jake die Schwester seines Partners, seit sie gestern in Creede angekommen war. Er lehnte sich nach vorn und stützte die Unterarme auf sein Knie.

 

Was hat sie jetzt wieder vor?

 

Jake rückte die Krempe seines Hutes zurecht, um die Abendsonne abzuschirmen, und schritt über die Hauptstraße von Upper Creede, wobei er einer Kutsche und mehreren Pferden auswich. Es würde seinem eigenen Ruf kaum schaden, wenn er Berthas Saloon noch vor Sonnenuntergang betrat. Bei Miss Simms verhielt sich das jedoch ganz anders.

 

Sie sollte sich in solchen Etablissements überhaupt nicht sehen lassen.

 

Jake besuchte selten derlei Lokale, aber Robert – Miss Simms’ Bruder – hatte das sehr wohl getan, zumindest am Anfang ihrer Bekanntschaft. Er vermutete, dass Miss Simms auf der Suche nach Robert war.

 

Das war Jake auch.

 

Er betrat den Saloon mit einer raschen Bewegung. Eine Glocke an der Glastür klingelte, als er sie schloss.

 

Eine Frau erschien, in ein seidenes Gewand gehüllt und mit rosig geschminkten Wangen. „Wir haben noch nicht geöffnet.“

 

Jake nahm seinen Hut ab. „Ich weiß. Ich bin auf der Suche nach der Frau, die gerade eingetreten ist.“

 

„Ist sie Ihre Frau?“

 

„Nein.“

 

Die Frau zog eine Augenbraue hoch und musterte ihn eingehend. „Warten Sie hier.“ Ihr üppiger Busen und ihre breiten Hüften wogten unter dem dünnen Stoff, als sie sich entfernte.

 

Jake ließ seinen Blick durch den Raum schweifen, der mit noblen gepolsterten Sofas und polierten Tischen ausgestattet war. Das Berthas war gehobener, als er gedacht hatte. Vielleicht hatte Robert ja doch einen guten Geschmack.

 

Jake fingerte an der Krempe seines Hutes herum, bis seine Frustration überhandnahm. Warum dauerte das so lange? Er schob den Vorhang beiseite, der den Korridor verbarg. Von seiner Gastgeberin war nichts zu sehen, also schlich er von Tür zu Tür und lauschte auf eine Spur von Miss Simms.

 

Er verharrte, als Stimmen im Flur widerhallten, und schlüpfte durch die nächstgelegene Tür in einen Raum, der ein Bett, einen freistehenden ovalen Spiegel und aufreizende Fotografien von Frauen in verschiedenen Stadien der Entkleidung enthielt. Das verzierte eiserne Bett war mit roten Decken bezogen. Dieser Raum war eindeutig für fleischliche Vergnügungen gedacht.

 

Bevor Jake sich verstecken konnte, stürmte eine Dame herein und schloss die Tür. Dann wirbelte sie herum und prallte direkt mit ihm zusammen.

 

Nun, das Glück war auf seiner Seite. Seine Beute hatte ihn gefunden.

 

„Oh“, keuchte sie. „Verzeihen Sie bitte.“

 

Jake hielt sie an den Schultern fest, um sie zu stützen.

 

„Ich habe mich im Zimmer geirrt“, fügte sie hinzu.

 

„Warten Sie.“ Er versuchte, sie festzuhalten, aber sie entglitt seinen Händen und ging auf die Tür zu.

 

Die Tür öffnete sich erneut, bevor Miss Simms den Knauf ergreifen konnte. Auf der Schwelle stand Charles Henderson, der Vorsitzende der First National Bank.

 

Miss Simms wich zurück und stieß wieder mit Jake zusammen. Als sie ihn anfunkelte, nahm die Farbe ihrer Augen ihn gefangen. Das Blau erinnerte ihn an einen Pfau, den er einmal in Shanghai gesehen hatte.

 

Jake hob seinen Blick zu Henderson und lächelte über das offensichtliche Unbehagen des Mannes, der so gut wie mit heruntergelassenen Hosen erwischt worden war. Der aufgeblasene Wichtigtuer hatte Jake und Robert letztes Jahr die Finanzierung verweigert, als sie versucht hatten, die Lucky-Dog-Ader zu erschließen, obwohl die Proben 250 Unzen Silber ergaben. Sie hatten den Claim schließlich für 15.000 Dollar verkauft. Er überlegte, ob er Henderson die Sache noch einmal unter die Nase reiben sollte.

 

„Wie geht es Ihrer Frau, Charles?“, fragte Jake.

 

Die Gastgeberin erschien und wandte sich an Henderson: „Es tut mir leid, Sir. Ich habe Sie in das falsche Zimmer geschickt.“

 

Henderson, korpulent und mit einem buschigen Bart und Schnauzer, schaute Jake mit zusammengekniffenen Augen an. „Das Mädchen ist in Ordnung. Ich mag sie zierlich.“

 

Miss Simms straffte die Schultern. „Das ist lächerlich. Ich bin hier, um Mabel zu besuchen. Ich stehe nicht zum Verkauf.“

 

„Das ist ein Jammer“, erwiderte Henderson. „Aber ein gut gemeinter Rat: Ich würde mich auf jeden Fall von ihm fernhalten.“ Henderson deutete auf Jake.

 

Ein Anflug von Wut durchfuhr Jake, als Henderson seine Augen über Miss Simms Vorzüge gleiten ließ. Er war kurz davor, Mrs Henderson zu sagen, was ihr Mann im Schilde führte. „Die Hurerei steht Ihnen, Charles.“

 

„Ich muss doch sehr bitten“, warf die füllige Gastgeberin ein. „Diese Art von Gerede dulde ich hier nicht.“

 

Miss Simms hatte sich versteift. Vielleicht war er vor den anwesenden Damen zu weit gegangen. „Ich bitte um Verzeihung, Ma’am.“

 

Die Gastgeberin wandte sich an Henderson. „Die Verwechslung tut mir furchtbar leid. Ich werde Ihnen sofort ein anderes Mädchen suchen.“ Als sie den Bankpräsidenten wegführte, warf sie Jake einen verärgerten Blick zu. „Sie sollten doch im Salon warten.“

 

„Ich bin recht ungeduldig.“ Jake grinste. „Und dieses Mädchen ist genau die Richtige.“

 

„Ich stehe nicht zum Verkauf“, wiederholte Miss Simms verärgert.

 

Als die irritierte Gastgeberin den Raum verlassen hatte, um sich um ihren Ehrengast zu kümmern, drehte sich Miss Simms um und sah ihn an. „Ich muss Sie bitten, zu gehen.“

 

„Wir müssen uns unterhalten.“ Er griff um sie herum und schloss die Tür, damit sie ungestört waren.

 

„Worüber? Ich weiß nicht einmal, wer Sie sind.“

 

„Jake McKenna.“

 

Das Aufblitzen des Erkennens auf ihrem Gesicht gefiel ihm.

 

„Sie sind Roberts Partner?“

 

Nicht mehr, aber er würde mitspielen. „Ja.“

 

„Ich hatte vor, Sie als Nächstes aufzusuchen.“

 

„Dann ist es ja ein Glück, dass wir uns hier getroffen haben. Auch wenn die braven Bürger dieser Stadt entrüstet wären, wenn sie wüssten, dass unser erstes Treffen in einem Bordell stattfindet.“

 

Aus der Nähe war die Ähnlichkeit zwischen Miss Simms und ihrem Bruder noch deutlicher zu erkennen, beide hatten dasselbe dunkle Haar und ähnliche Augen, und das Funkeln darin erinnerte ihn an das von Robert, wenn er begeistert von einem Claim sprach. In der Tat war sie eine weibliche Version ihres Bruders, nur verdammt viel hübscher.

 

„Wissen Sie, wo Robert ist?“, fragte sie.

 

„Nein, leider nicht. Wusste er nicht, dass Sie kommen?“

 

Sie runzelte die Stirn. „Doch, aber als ich gestern ankam, war er nicht am Bahnhof, um mich abzuholen, und er war auch nicht in seiner Pension.“

 

„Ich weiß.“

 

„Nun, wenn Sie so viel wissen, warum wissen Sie dann nicht, wo er ist?“, fragte sie.

 

Ihr Ausbruch erwischte ihn unvorbereitet. Bevor er antworten konnte, ging die Tür wieder auf. Es war gut, dass er und Miss Simms nicht mit der für diese Art von Etablissement üblichen Tätigkeit beschäftigt waren – er bezweifelte, dass er so schnell sein konnte.

 

Die Gastgeberin stand in der Tür. „Mabel wird Sie jetzt empfangen“, sagte sie zu Miss Simms, dann blickte sie Jake an. „Aber Sie nicht. Wenn Sie nicht für ein Mädchen zahlen wollen, dann müssen Sie gehen.“

 

„Danke“, sagte Miss Simms. Sie drehte sich wieder zu ihm um. „Mister McKenna, es war mir ein Vergnügen, Sie kennenzulernen …“, sie schüttelte seine Hand, „… nehme ich an.“ Und dann war sie verschwunden.

 

Was zum Teufel war gerade passiert?

 

Molly Rose Simms war ganz anders, als er erwartet hatte.

 

* * *

 

Die füllige Frau, die sie in Berthas Saloon empfangen hatte – war sie Bertha selbst? –, führte Molly zu einem Schlafzimmer im hinteren Teil des Gebäudes. Eine junge Frau mit kaffeefarbenen Locken empfing sie an der Tür. Ihre hellblauen Augen vermittelten Neugierde, aber ein Hauch von Zynismus umgab sie.

 

„Das ist Mabel. Bleiben Sie nicht zu lange. Wir werden bald Gäste haben.“

 

Molly wollte fragen, warum die Männer schon jetzt hier auftauchten, wenn sie doch noch nicht geöffnet hatten, aber sie behielt die Frage für sich. Zweifellos war dieser Charles ein Mann von Format und wurde bevorzugt behandelt. Sie verspürte noch immer leichtes Unbehagen aufgrund seiner Annahme, dass sie mit ihm das Bett teilen würde.

 

Und was war mit Jake McKenna? Er war ihr nicht zu nahe getreten, aber einen Moment lang hatte er sie angesehen, als wolle er ihr die Kleider vom Leib reißen und sie an Ort und Stelle nehmen. War er gegangen oder hatte er sich ein anderes Mädchen gesucht?

 

„Hallo.“ Molly streckte ihre Hand aus. „Ich bin Molly Rose, die Schwester von Robert Simms.“

 

„Nett, Sie kennenzulernen, Molly Rose“, sagte Mabel langsam und mit wachsamem Blick.

 

Sie legte ihre Handfläche in Mollys, die Berührung war kühl, ein krasser Gegensatz zur Wärme von Mister McKennas großen Händen, die sie noch vor wenigen Minuten umschlossen hatte. Molly verdrängte den Gedanken an die aufsteigende Hitze, die sie bei der kurzen Begegnung mit dem großen Mann gespürt hatte – ausgerechnet in einem Bordell. Sie war nur wegen ihres Bruders hier.

 

Mabel trat zurück und bot Molly einen Platz auf einem Hocker an, während sie selbst sich aufs Bett setzte, über dessen Tagesdecke berüschte Kleidungsstücke drapiert waren. Es schien weit weniger zu sein als das, was eine Frau tragen sollte. Mollys Blick blieb auf einem Foto an der Wand hängen und sie erstarrte. Eine Frau stand da, die Hände in die Hüften gestemmt, mit nichts weiter als einem Paar Unterhosen bekleidet, ihre bescheidenen Brüste aufreizend nach vorne gestreckt, so nackt, wie es nur ging.

 

Molly richtete ihren Blick wieder auf Mabel und bemerkte verlegen, dass ihr der Mund offen stand. Sie schloss ihn rasch und verbarg ihre Beschämung, indem sie ihre Hände ineinander verschränkte und sie auf ihrem grauen Rock platzierte.

 

Sie verspürte den Drang, sich zu erkundigen, ob Mabel gefiel, was sie tat, aber sie schwieg. Das wäre unhöflich. Sicherlich hatte die Frau keine andere Wahl.

 

Mabel zog das Revers ihres Morgenmantels zu, ließ dann die Hand sinken und seufzte. „Was kann ich für Sie tun?“

 

„Ich bin gestern angekommen, um Robert zu besuchen, aber er hat mich nicht abgeholt und ich mache mir Sorgen. Ich weiß nicht, wo ich sonst suchen soll.“ Molly räusperte sich. „Ein Mann in dem Hotel, in dem ich wohne, hat erwähnt, dass Robert manchmal hierherkommt. Er hat mir Ihren Namen genannt.“ Sie fügte eilig hinzu: „Ich hoffe, das war in Ordnung. Ich hatte gehofft, dass Sie vielleicht etwas wissen.“

 

Mabel senkte ihren Blick.

 

„Kennen Sie meinen Bruder?“, drängte Molly.

 

Die Frau nickte. „Ja, ich kenne Robbie.“

 

Mabel sah auf und Molly wand sich ein bisschen unter ihrem prüfenden Blick.

 

„Was immer Sie mir mitteilen, ist vollkommen vertraulich, das versichere ich Ihnen“, platzte Molly heraus.

 

Mabel raffte den Saum ihres Gewandes und zog die Schärpe an ihrer Taille fest. „Ihr Bruder war in letzter Zeit nicht hier, aber andere Männer, mit denen ich verkehre …“

 

Molly wartete und traute sich nicht zu sprechen, um die Frau nicht zu verschrecken. Sie hatte schon daran gedacht, sich an die örtliche Polizei zu wenden, aber als sie den Hotelangestellten nach dem stellvertretenden Marshal gefragt hatte, hatte seine Antwort mehr Zweifel als Zuversicht in ihr geweckt. Diese Stadt hatte etwas Wildes an sich, das kaum zu übersehen war. Es erschien ihr wenig sinnvoll, in einem Bordell nach Informationen zu suchen – waren Frauen wie Mabel überhaupt vertrauenswürdig? –, aber Molly war mit ihrem Latein am Ende. Ihre Mutter hatte sie gewarnt, nicht immer so impulsiv zu handeln, aber ihr Herz hatte ihr gesagt, sie solle die Prostituierte aufsuchen.

 

Mabels Gesichtsausdruck wurde so ernst und aufrichtig, dass sich Mollys Inneres zu einem eisigen Knoten verkrampfte.

 

„Es tut mir leid, Miss Simms, aber Robert ist tot.“