WiederseHen in TeXaS

Wings of the West Buch 6

Eine lange Novelle


Übersetzt von Anja Ritter

In dieser Novelle, die fünfzehn Jahre nach VERLIEBT IN TEXAS spielt, treffen Sie viele liebgewonnene Figuren aus der Wings of the West-Serie wieder.

Die Messe in Denton, Texas, zieht Besucher von nah und fern an. Auch Matt und Molly Ryan sind gekommen, um Pferde zu verkaufen und ein wenig Ruhe und Entspannung zu genießen. Es ist ein richtiger Familienausflug, an dem auch Matts Bruder Logan und seine Frau Claire, Nathan und Emma Blackmore sowie Cale und Tess Walker teilnehmen.

Lernen Sie die Töchter der zweiten Generation kennen: Matt und Mollys Kinder Katie und Josie Ryan sowie Anna, Sarah und Sophie Ryan, die Töchter von Logan und Claire. In dem Versuch, einem Jungen zu helfen, der fälschlicherweise des Diebstahls beschuldigt wird, kommen die jungen Mädchen zwischen elf und vierzehn Jahren einem Geheimnis auf die Spur, das sich bis zu Mollys Kindheit bei den Kwahadi-Comanchen zurückverfolgen lässt.

Jedes der Mädchen wird in einem zukünftigen Roman die Hauptrolle spielen.

Erhältlich als E-Book und Print-Ausgabe.

Reading order of the Wings of the West Series:
Verliebt in Texas (Buch 1)
Verliebt in New Mexico (Buch 2)
Verliebt am Grand Canyon (Buch 3)
Verliebt in Arizona (Buch 4)
Verliebt in Colorado (Buch 5)
Ein glänzender Penny (Eine ‚Wings of the West‘-Kurzgeschichte) – available to newsletter subscribers
Das Lied des Zaunkönigs (Eine Wings of the West-Novelle) – available to newsletter subscribers
Wiedersehen in Texas (Buch 6) – Eine lange Novelle
Echo über der Prärie (Buch 7) – Eine Kurzgeschichte

Currently available in English only:
The Starling (Book 8)
The Canary (Book 9)
The Nighthawk (Book 10) – Coming Soon

Impressum

Rezensionen

„Fesselnd von Anfang bis Ende! Eine großartige Ergänzung zu einer wunderbaren historischen Western-Romance-Serie. Es geht um Geheimnisse, Liebe, indianische Legenden und den unerschütterlichen optimistischen Einfallsreichtum einer Gruppe unvergesslicher Kinder. Als ich einmal angefangen hatte zu lesen, konnte ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen.“
~ Edwina B., BookBub-Rezension

 

„Es war so schön, wieder in diese Serie einzutauchen … ich kann es kaum erwarten, mehr zu lesen.“
~ Goodreads-Rezensent

 

„Liebe, Abenteuerroman, Krimi und Thriller in einem.“
~ Goodreads-Rezensent

 

„Vergangene Traumata, Hoffnung, Erlösung und Zusammenhalt sind Themen, die sich durch die ganze Geschichte ziehen … Ich kann sie nur empfehlen!“
~ Amazon-Rezensent

Kapitel einS

Texas
Oktober 1892

 

Molly

 

Molly erwachte in der Stille der Nacht und starrte verwirrt an die Decke. Dann fiel ihr wieder ein, dass sie und Matt sich in einem Hotel in Denton befanden.

 

Sie atmete tief durch und schloss die Augen. Ihr Körper war noch immer wie gelähmt von dem Traum. Es war zwar nicht direkt ein Albtraum gewesen, aber er hatte trotzdem Trauer und Panik in ihr aufkommen lassen. Als sie ihre Hand endlich wieder bewegen konnte, tastete sie an ihrer Seite nach Matts warmem Körper. Sie rollte sich herum und rutschte näher an ihn heran, um die Geborgenheit zu finden, die nur er ihr geben konnte.

 

Er rührte sich und umfing sie mit seinen Armen.

 

„Schlecht geträumt?“, fragte er und streifte mit den Lippen ihr Haar.

 

„Ja.“

 

„Wieder das Gleiche?“

 

Sie seufzte. „Ja.“ Sie war müde. Seit Wochen plagte sie immer wieder derselbe Traum.

 

„Hast du mit Emma darüber gesprochen?“

 

Ihre jüngere Schwester besaß etwas, was einige als die Gabe des Zweiten Auges bezeichneten, andere – insbesondere engstirnige Menschen – als Hexerei. „Noch nicht.“ Sie vergrub ihr Gesicht an seiner nackten Haut und ließ sich von seinem Duft beruhigen. Mein Mann.

 

„Vielleicht kann sie dir helfen“, sagte er. „Falls doch mehr dahintersteckt.“

 

Molly wusste, dass er aus Erfahrung sprach. Jahrelang war er von einem Traum über seine Gefangenschaft während seiner Zeit als Texas Ranger heimgesucht worden. Nur mit ihr hatte er über alle Einzelheiten dieser Erfahrung sprechen können. Und dann war Augusto Cerillo, der dafür verantwortlich gewesen und eigentlich von Mollys Schwager Nathan getötet worden war, zwei Jahre nach ihrer Hochzeit zurückgekehrt. Aber seine Rache war keine gewöhnliche gewesen, denn er lebte nicht mehr im herkömmlichen Sinne. Cerillo hatte die Geisterwelt benutzt, um sich zu rächen. Nur mit Emmas und Mollys Hilfe war es ihnen gelungen, Cerillo, der vom Körper eines anderen Mannes Besitz ergriffen hatte, daran zu hindern, Matt zu töten. Erst als alles vorbei war, waren Matts Albträume langsam verblasst.

 

Auch Molly musste sich ihrem wiederkehrenden Traum stellen, doch der Gedanke daran ängstigte sie, und so verschob sie es immer wieder auf später. Was, wenn Emma ihr eine Erklärung lieferte? Dann würde Molly darauf reagieren müssen.

 

Aber so konnte sie auch nicht weitermachen. Die nächtlichen Bilder hörten einfach nicht auf. Sie wurden nur noch schlimmer.

 

„Na gut“, flüsterte sie. „Morgen rede ich mit Emma.“

 

Matt küsste sie auf die Stirn und zog ihr die Bettdecke über die Schultern. Mit ihm an ihrer Seite schaffte sie es immerhin, noch ein paar Stunden unruhigen Schlaf zu finden.

 

 

* * *

 

Molly

 

Molly ging auf dem Bürgersteig entlang, als der Junge mit ihr zusammenstieß. Instinktiv packte sie seine Schultern, um ihn vor dem Sturz zu bewahren. Er fuhr herum, riss sich von ihr los und raste davon. Staub wirbelte auf, als seine Füße in gleichmäßigem Rhythmus auf den Holzplanken aufschlugen.

 

„Was in aller Welt“, sagte Claire und stützte Molly am Ellbogen. Vor vielen Jahren hatte Molly Claire das Leben gerettet, nachdem sie sie einsam und verlassen in einer Schlucht gefunden hatte. Die beiden hatten ein enges Band der Freundschaft geknüpft, das durch ihren Status als Schwägerinnen noch verstärkt wurde, als sie beide einen der Ryan-Brüder geheiratet hatten.

 

Molly straffte sich. „Der hatte es aber eilig.“

 

Molly und Claire ließen den zentralen Platz im Stadtkern hinter sich, über den ein imposantes zweistöckiges Gerichtsgebäude mit Turm wachte, und gingen in die Richtung, in die auch der Junge verschwunden war, bis sie das eine Meile entfernte Messegelände von Denton in der Nähe von Avenue A und Welch Street erreichten. Sicher würde der Junge schlapp machen, bevor er dort ankam, dachte Molly.

 

Die Messe, die mehrere Tage andauerte, zog eine große Menschenmenge an. Es gab zahlreiche Wettbewerbe in den Bereichen Viehzucht und Landwirtschaft sowie eine Börse für den Kauf und Verkauf von Pferden, wie die lange Reihe von Ställen am Nordende des Messegeländes zeigte. Angesehene Frauen aus der Gemeinde stellten ihre Produkte zur Schau: Ölgemälde, bestickte Wäsche, Quilts und Lebensmittel wie Eingemachtes, Kuchen und Konfitüren.

 

Der eigentliche Höhepunkt waren jedoch die Cowboy-Wettbewerbe und die Pferderennen im Trab und Galopp auf einer 16 Hektar großen Rennbahn auf dem Gelände.

 

Molly hatte gehofft, sich heute Morgen beim Frühstück mit Emma unterhalten zu können, aber in ihrem Hotel war es zu hektisch gewesen. Molly war mit Matt und ihren Töchtern Katie und Josie gekommen. Die Mädchen, elf und zwölf Jahre alt, wollten unbedingt die Messe besuchen, während ihr Ältester, Eli, auf der Rocking-Wren-Ranch geblieben war. Mit seinen vierzehn Jahren saß er lieber auf einem Pferd und kümmerte sich um die anfallenden Aufgaben auf der Ranch. Er war ein Texaner durch und durch und plante bereits seine Zukunft in der Viehzucht.

 

Mollys Mädchen waren mit ihren Cousinen unterwegs, den drei Töchtern von Claire – Anna, mit vierzehn Jahren die Älteste und das Ebenbild von Claire mit ihren langen blonden Haaren und ihrer besonnenen Art; Sarah, ein Jahr jünger und oft für Annas Zwillingsschwester gehalten, aber vom Wesen her offener und neugieriger, und die elfjährige Sophie, deren dunkles Haar aus der Ryan-Linie sie von ihren älteren Schwestern unterschied. Das und ihr großer Vorrat an Büchern, von denen sie einige auf diese Reise mitgenommen hatte.

 

Am Abend zuvor hatten die Cousinen bis tief in die Nacht hinein geschwatzt und auch jetzt schienen sie bei ihrem Rundgang über die Messe ganz in ihr Geschnatter vertieft zu sein.

 

„Meinst du, wir sollten die Mädchen besser im Auge behalten?“, fragte Molly.

 

Claire lachte. „Hast du ein Seil? Wir müssten sie schon irgendwo anbinden, damit sie still sitzen bleiben. Dazu fehlt mir die Kraft. Außerdem, was sollen sie schon anstellen?“

 

Die Frage schien wie eine dunkle Wolke in der Luft zu hängen.

 

„Als Älteste wird Anna auf sie achtgeben“, fügte Claire in beruhigendem Tonfall hinzu.

 

Molly stimmte ihr wortlos zu. Anna strahlte eine natürliche Zuversicht aus. „Sie ist bei weitem die Reifste von allen.“

 

„Sie treibt Logan ganz schön in den Wahnsinn.“ Claire hakte sich bei Molly unter, als sie den Bürgersteig verließen und auf die unbefestigte Straße traten. Mehrere Kutschen sausten an ihnen vorbei. „Ständig schreibt sie ihrem Vater vor, was er tun soll. Ich fürchte, so wird sie nie einen Ehemann finden.“

 

„Das macht nichts. Sie kann ja Ärztin werden wie du. Dann braucht sie keinen Ehemann.“

 

„Ich glaube, das würde Logan freuen. Kein Mann wird je gut genug für sein kleines Mädchen sein. Für keines von ihnen.“

 

Logan war mit vier Töchtern gesegnet, aber keinem einzigen Sohn, und obwohl er sich gelegentlich über seinen Status als Hahn im Korb beklagte, würde er alles für seine Mädchen tun, weshalb er beinahe nicht mitgekommen wäre. Ellie, ihrer Jüngsten, ging es nicht so gut, aber sie war bei den Großeltern in besten Händen. Also hatte Logan schließlich zugestimmt, mit seiner restlichen Familie die Messe zu besuchen.

 

Als sie sich dem Messegelände näherten, zogen Jubelrufe sie zu einer der Pferdekoppeln und sie bahnten sich einen Weg durch die Menschenmenge. Schon von weitem fasste Molly eines der Pferde mit einem bunten Halfter ins Auge. Sie erkannte das längliche Rautenmuster aus Gelb, Rot und Schwarz auf grünem Grund. Es stammte von den Comanchen. Genauer gesagt, den Kwahadi-Comanchen.

 

Ein Anflug von Sehnsucht erfasste sie und überraschte sie mit ihrer Intensität. So traumatisch ihre Kindheit auch gewesen war, sie hatte acht Jahre bei den Comanchen gelebt und eine tiefe Verbundenheit zu ihrer „neuen“ Familie aufgebaut. Und es gab Zeiten, in denen sie sie vermisste. Ihr wiederkehrender Traum zeugte davon.

 

Die Comanchen verfügten über großes Geschick im Umgang mit Pferden, und nach ihrer Hochzeit mit Matt hatten die von ihrem Comanchen-Vater erlernten Fähigkeiten Molly gute Dienste geleistet. Sie trat näher heran, um einen genaueren Blick zu erhaschen.

 

Der Junge, der sie vorhin angerempelt hatte – er musste etwa zwölf Jahre alt sein –, stand neben dem Mann, der das Pferd vorführte. Der Mann war zwar eindeutig kein Comanche, aber der Junge sah aus wie einer und rief in Molly Erinnerungen an ihre Zeit bei diesem Volk wach.

 

„Weißt du, wer das ist?“, fragte Molly Claire.

 

„Der Mann oder der Junge?“

 

„Beide.“

 

„Nein, aber das Pferd, das sie verkaufen wollen, ist wirklich ein Prachtexemplar.“

 

Molly schaute sich suchend nach Matt oder Logan um, aber die Menschen standen hier dicht gedrängt. Cowboyhüte und Sonnenschirme versperrten ihr die Sicht. Ein Pferd nach dem anderen wurde verkauft und als Molly sich wieder dem Korral zuwandte, waren der Mann und der Junge mit ihrem Pferd bereits verschwunden und durch das nächste ersetzt worden.

 

 

* * *

 

Matt

 

Als Matt den Korral umrundete, traf er auf seinen Schwager Cale. „Irgendetwas Neues?“, fragte er.

 

Cale verzog das Gesicht und seufzte. „Wenn du den Handel mit Anderson meinst, der ist ins Wasser gefallen.“

 

Verflixt.

 

„Bist du sicher?“

 

Cale nickte knapp. „Er ist nicht einmal hier. Ich habe Gerüchte gehört, dass er ein besseres Angebot bekommen hat.“

 

„Unser Angebot war verdammt gut. Molly und ich haben hart gearbeitet, um ihm das zu geben, was er wollte. Dachten wir jedenfalls.“

 

„Ich weiß.“ Cale zögerte.

 

„Spuck es aus, Walker.“

 

„Es gäbe da vielleicht noch einen anderen Käufer, wenn du die Pferde wirklich loswerden willst.“

 

„Wen?“

 

„Holden McCabe.“

 

Matt gab sich keine Mühe, die Flüche zu unterdrücken, die ihm über die Lippen kamen.

 

„Ja.“ Cales Lachen klang wenig humorvoll. „Ich dachte mir schon, dass du so reagieren würdest, aber ich wollte dich nicht im Dunkeln lassen. Ein Handel mit McCabe steht auch auf meiner Wunschliste ganz unten.“

 

Matt schüttelte niedergeschlagen den Kopf. „Also haben wir die ganze Sippe umsonst den weiten Weg hierhergebracht.“

 

„Es scheint so.“ Cale rückte seinen Hut zurecht. „Aber sieh’ es doch mal so – dafür hast du unseren Frauen einen netten Ausflug mit ihren äußerst attraktiven Ehemännern beschert.“

 

Es war lästig, dass sie die Pferde nun am Ende der Woche zur Rocking Wren zurücktreiben mussten, und es würde länger dauern als geplant, aber das ließ sich nun mal nicht ändern. Matt war in erster Linie zur Messe in Denton gekommen, um zwei Dutzend seiner besten Pferde zu verkaufen. Molly und er hatten die Tiere den Sommer über trainiert. Sie wollten den Erlös in Zuchttiere aus England investieren. Matt hatte bereits den ersten Teil des Papierkrams erledigt, aber sie brauchten das Geld von diesen Pferden, und da wäre Anderson ins Spiel gekommen.

 

Auch Cale, Mollys Halbbruder, hatte sich an dem Handel beteiligt und zwölf Tiere aus seinem eigenen Bestand hinzugefügt. Molly und Cale waren beide Pferdeliebhaber und unterhielten sich regelmäßig beim sonntäglichen Familienessen über die Vorzüge von Zucht und Dressur. Mollys Ansichten waren maßgeblich durch ihre Zeit bei den Comanchen geprägt, die zu den größten Pferdekennern im Land zählten. Zumindest, bis sie in das Reservat in Fort Sill umgesiedelt worden waren. Doch wie Matt gehört hatte, übten viele von ihnen ihre Reitkunst weiter aus und versuchten, ihren Lebensunterhalt damit zu verdienen.

 

„Außerdem“, fuhr Cale fort, „hat sich Anderson offenbar darüber beschwert, dass nicht genug Wallache dabei wären. Er sagt, du hättest ihm mehr versprochen.“

 

Kurz bevor sie Nordtexas verlassen hatten, hatte Molly mit dem Rat ihres Sohnes Eli ihre Meinung über drei der Pferde noch einmal geändert. Matt hatte gelernt, sich nie einzumischen, wenn die beiden Entscheidungen in Sachen Pferde trafen, denn sie schienen ein besonderes Gespür für die Tiere zu haben, die sie selbst züchteten und trainierten. Matt vertraute auf Mollys Urteilsvermögen.

 

„Also deshalb verdirbt er uns das Geschäft?“, fragte Matt, ohne seinen Ärger zu verbergen. „Wegen drei Pferden? Es wäre schön gewesen, wenn er uns das vorher gesagt hätte.“

 

Die Frauen und Kinder waren mit dem Zug aus Wichita Falls gekommen, aber Matt, Cale, Nathan und Logan hatten die Pferde selbst hierhergetrieben. Matt hatte sich darauf gefreut, seine Rückfahrt mit Molly, Katie und Josie in einem komfortablen Zugabteil mit gepolsterten Sitzen anzutreten, aber es sah so aus, als würden sie wieder reiten müssen.

 

Cales Gesichtsausdruck verriet Matt, dass es noch weitere Neuigkeiten gab.

 

„Muss ich dir alles aus der Nase ziehen?“

 

Ein flüchtiges Lächeln flog über Cales Gesicht. „Ich fürchte, dieses Gerücht wird dir noch weniger gefallen als das vorherige. McCabe will mit Molly zu Abend essen.“

 

Ungläubig sagte Matt: „Will er meiner Frau den Hof machen? Da habe ich verdammt noch mal ein Wörtchen mitzureden.“

 

„McCabe ist ein Hornochse. Daran besteht kein Zweifel. Aber ich glaube, es geht eher um Mollys Zeit bei den Comanchen.“

 

Das war etwas, was Matt lieber für sich behielt, wenn auch nur, um Molly zu schützen. Sie waren seit fünfzehn Jahren verheiratet, aber er konnte es noch immer nicht ertragen, wenn ihre Vergangenheit zum Gegenstand von Klatsch und Tratsch wurde. Mit ihren Kindern sprach sie gelegentlich über ihre Entführung im Alter von neun Jahren und ihre Zeit bei den Comanchen, bevor sie von einem alten Schürfer namens Elijah gerettet worden war – dem Mann, nach dem sie ihren Sohn benannt hatten. Sie brachte Katie sogar bei, Comanche zu sprechen.

 

„Es ist Mollys Entscheidung, ob sie mit ihm über ihre Vergangenheit sprechen will“, sagte Matt. „Aber ich werde dabei sein, wenn sie es tut.“

 

Logan und Nathan tauchten auf, mit Chaps und klirrenden Sporen. Auf Nathans glatt rasiertem Gesicht zeichnete sich die Narbe auf seiner linken Wange, die ihm vor Jahren ein Comanche zugefügt hatte, deutlicher ab als sonst.

 

„Wann beginnt das Rennen?“, fragte Cale. „Welches ist es noch mal?“

 

„Das drei-Achtel-Meilen-Rennen“, sagte Logan. „Und es beginnt in einer Stunde. Das Preisgeld liegt bei 50 Dollar. Ich habe gehört, dass die Wetten zu meinen Gunsten stehen.“

 

„Das ist Unsinn“, sagte Nathan und kniff seine braunen Augen zusammen. „Wenn einer die Nase vorn hat, dann dieses Pferd da drüben.“ Er deutete auf eine Koppel, auf der eine beeindruckende Stute hin und her trabte. Der Mann, der das Tier beobachtete, kam Matt bekannt vor.

 

„Ist das Bill Harner?“, fragte er.

 

Nathan sah genauer hin. „Ich will verdammt sein. Ich glaube, er ist es.“

 

Logan zog seine Lederhandschuhe an. „Wer ist das?“

 

„Er war 1875 mit uns bei den Rangers“, antwortete Nathan und bezog sich auf seine und Matts Zeit bei den Texas Rangers. „Aber da war er noch ein Jungspund. Das war kurz bevor ich Matt bei Cerillo rausgeholt habe. Ich weiß nicht, was danach mit Bill passiert ist.“

 

„Nun, er steht neben McCabe“, sagte Cale.

 

Matt verzog das Gesicht. „Das ist fast Grund genug, um Harner zu meiden. Aber ich gehe trotzdem mal hin und sage hallo.“

 

„Wir müssen langsam zur Startlinie rüber“, sagte Nathan zu Logan. „Wir wollen doch nicht, dass unser Champion seinen glorreichen Augenblick verpasst.“

 

„Du kriegst gleich meinen Staub zu fressen, Blackmore.“

 

„Viel Glück“, sagte Matt, als die beiden sich auf den Weg machten. Matt wandte sich in die entgegengesetzte Richtung, blieb aber noch einmal stehen und drehte sich zu Cale um. „Kommst du nicht mit? Wenn McCabe anfängt, sich über Molly das Maul zu zerreißen, brauche ich deine Unterstützung.“

 

Cale zog eine Augenbraue hoch. „Soll ich dein Händchen halten?“

 

„Natürlich nicht. Du musst mich eher von ihm fernhalten, wenn er mich auf die Palme bringt. Molly wäre nicht begeistert, wenn ich wegen Ruhestörung in einer Zelle lande. Sie erwartet mich zum Abendessen.“

 

„Keine Sorge. Sheriff Mars schuldet mir noch was. Du wärst nicht lange im Knast.“